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28. Juli 2012 / 16 Uhr
Abgespannt

Künstlerhaus Hamburg-Bergedorf

Eröffnungsreden sind ein Ritual und die kurze aufgeklärte Phase der Ächtung, in der das Werk für sich sprach, hat sich auch wieder zurechtgerenkt. Ihre äußere wie innere Organisation dient in der überwiegenden Mehrzahl dazu, Wertschätzung zu vermitteln, und dies auf Basis einer zunächst verallgemeinenden und in den Kontext einer sozialen Umgebung eingebetteten Erinnerungsliste, um daraus das Besondere zu behaupten. Die Vortragenden sammeln üblicherweise zusammen, was einerseits ein öffentliches Interesse der jeweiligen Veranstaltung untermauert, andererseits das zu besprechende Ereignis als wie auch immer geartete Fortschreibung eines in der Rede herausgeschälten Modells präsentiert. Unsere repräsentative Demokratie hat sich auch hier dem Stellvertreterwesen verschrieben.

Wer in seiner Eigenschaft als Redner das nicht will, würfelt einfach mit den zu eröffnenden Darbietungsfragmenten und setzt ein eigenes "Werk" in Szene. Dafür kennt man die Bezeichnungen "Rampensau" – aufrichtiger mutet es allemal, sich selbst als kompetenten Konsumenten vorzustellen, statt scheinheilig der erwarteten Lobhudelei das Wort zu führen.

Nun versammelt die hier zu begehende Installation selbst verbale Hülsen, stellt sie in dualen Bezug und fordert auf, sie neu zu kombinieren. Ein Stellvertreter, der verbal die Art und Weise, die Richtung vorgibt, kann nur kontraproduktiv wirken; Vorgabe einer Interpretation, die die Denkfaulheit fördert und dem Sekundenschlaf den Status einer kollektiven Erfahrung verleihen hilft. (Un)Sinnstiftende Eröffnung kann meiner Meinung nach nur heißen, Ihnen – dem Publikum – den Hausmeister zu geben und eine Aufstellung zu verordnen, die Sie aus eigenen Stücken so nicht einnehmen würden, sie also statt mit Worten ganz konkret vom Eingang zur Bar zu scheuchen.

So werde ich Sie in die Position der "Rampensau" verfrachten, als Teil der Arbeit den Blicken aller Anderen aussetzen – auch mit der Gefahr des Errötens Einzelner – und ganz wie es die "lebendigen" Fotoimpressionen einer Eröffnung gebieten: Vorteihaft die installierte Darbietung zeigen und zugleich anhand möglichst vieler hier Anwesender vorführen, dass sie Publikum hatte, wie es der Kreativwirtschaftsbericht der Behörden per Formular mit einem weiteren, hier nicht vertretenen Zweisilber fordert: KUNST-MARKT.

Ich werde nun ein Kartenspiel öffnen und die einzelnen Trümpfe an Sie verteilen. Ich fordere Sie auf, sich freiwillig bei den darauf notierten Begriffen einzufinden. Bilden Sie Gruppen, nacheinander, jeweils zur selben Baupaneele, aber nicht unbedingt zur selben Zeit und beziehen Sie selbstorganisiert Aufstellung. Vertrauen Sie in die Emergenz. Machen Sie die körperliche Erfahrung der abgespannten Räumlichkeit in Einheit mit der begrifflich vorgegebenen Verwirrung, die diese Installation intendiert. Nehmen Sie das Wort vom "ausloten" ihrer Grenzen durch die Kunst ernst und stolpern Sie nicht über die Lotschnüre. Lassen Sie sich durch die fotodokumentarische Begleitung nicht aus der Fassung bringen: Denken Sie nicht an einen rosa Elephanten!



            

hyperact dokumentiert eine Performancereihe von
Art Communication Projects
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Text der Vortragsperformance zur Ausstellungseröffnung von Christine Kruse:
Ulrich Mattes